Historie & Geschichte

 
 
 
 
 
 

Verhandlungsprotokoll über die Gründungsversammlung vom 26. Februar 1905


Am Sonntag den 26. Februar, früh 11 Uhr beginnend, fand im Gesellschaftshaus „zur Lacke“ in München die definitive Gründung des Bayrischen Glasermeister-Verbandes statt.


Außer den weit über 100 eingelaufenen Zustimmungs- und Beitrittserklärungen aus allen Teilen Bayerns, selbst der Rheinpfalz, waren noch folgende Plätze persönlich durch Kollegen vertreten: München, Mainburg, Haag, Pasing, Miesbach, Aubing, Gars am Inn, Donauwörth, Planegg, Bad Tölz und liefen außerdem noch eine große Anzahl von Glückwunschschreiben ein.


Nach genauer Beratung des Statuten-Entwurfes wurden dieselben mit geringen Abänderungen einstimmig angenommen und wurden nach Entschließung hohen Kgl Bayerischen Staatsministeriums des Kgl Hauses und des Äußeren jedem Mitgliede sofort durch die Post zugestellt.


Die Wahl der Vorstandschaft ergab in geheimer Abstimmung mittels Stimmzettel folgendes Resultat:


1. Vorsitzender: Josef Herrmann, München.
2. Vorsitzender: August Höckenreiner, Pasing.
Kassier: Alois Kirchberger, Miesbach.
Schriftführer: Martin Auer, Freising.
1. Beisitzer: Ignatz Spiegel, Haag.
2. Beisitzer: Josef Stark, Donauwörth.
3. Beisitzer: Leonhard Wild, Planegg.
4. Beisitzer: Franz Krempl, Aubing.


Sämtliche Herren nahmen auf sie gefallene Wahl dankend an und erklärten, die Geschäfte des Verbandes in gewissenhafter Weise bis zum ersten bayrischen Glasermeister-Verbandstag, welcher am Oktoberfestsonntag d. J. in München, verbunden mit einer Fachausstellung von Glaserwerkzeugen, Rohmaterialien, Bedarfsartikeln, Neuheiten etc. stattfindet, anzunehmen. Einstimmig wurde ebenfalls beschlossen, die Wahl der Bezirksobmänner resp. Vertrauensmänner, welche aus den acht Provinzen Bayerns gewählt werden sollen, dem Gesamtvorstande zu überlassen. Einstimmig wurde beschlossen, daß der Mitgliederbeitrag jährlich 2 Mark beträgt, welcher, wenn nicht vorher einbezahlt, nach dem 30. Juni durch die Post erhoben wird.


Als Verbands- und Publikations-Organ wurde die Süddeutsche Glaserzeitung, in München erscheinend, bestimmt.


Die Geschäfte des Verbandes werden vom Verbandssekretariat, München, Holzstraße 23, aus geleitet, wohin sämtliche Anfragen über Auskünfte, Arbeitsnachweis, sowie Geschäftsverkehr im Allgemeinen, mit einer Retourbriefmarke versehen, zu richten sind.


Ferner wurde einstimmig beschlossen, dem unerhörten Treiben einiger Glashändler, welche an Pfuscher, als auch selbst an Private, Tafelglas um die gleichen Preise wie für den seßhaften Glasermeister verkaufen, mit allen gesetzlichen Mitteln energisch entgegenzutreten und werden im Betretungsfalle für die Zukunft solch schädigende Firmen von Zeit zu Zeit den Verbandsmitgliedern bekanntgegeben, damit dieselben solche Schädlinge nicht weiters durch Abnahme von Glas auch noch unterstützen. Mit großer Entrüstung wurden bereits einiger solcher Firmen seitens der Anwesenden nebst vielen derartigen Fällen gebrandmarkt und die Verbandsvorstandschaft beauftragt, rücksichtslos beschlußgemäß zu verfahren.


Einstimmig wurde ebenfalls beschlossen, eine gemeinsame Kitt-Einkaufsstelle zu errichten und zwar darf von dieser Fabrik, ohne Ausnahme und unter strengster Garantie und Kontrolle, nur Kitt aus reinem Leinöl (ohne Verwendung irgendwelcher Öl- oder Fett-Surrogate) geliefert werden, andernfalls Konventionalstrafe.


Da von allen staatlichen und gemeindlichen Baubehörden nur reiner Leinölkitt gefordert wird und nur zu häufig gerade mit Kitt oft zum großen Schaden des Glasermeisters gemeiner Schwindel getrieben wurde, so wird seitens unseres Verbandes an alle kgl Landbauämter und Baubehörden ein diesbezügliches Zirkular übermittelt werden, um dem Unfug mit solchem minderwertigen Kitt zu steuern.


Nachdem noch verschiedene interne Verbandsangelegenheiten beraten wurden, welche dem ersten Verbandstage zur Beschlußfassung vorgelegt werden, wurde die konstituierende schön verlaufende Versammlung um 2 ¾ Uhr nachmittags vom ersten Vorsitzenden geschlossen mit dem Wunsche, daß die Verhandlungen und Beratungen zum Wohle und Segen unseres Glaserhandwerks gereichen und der Bitte, daß alle, Verbandsmitglieder weitere neue Mitglieder werben möchten und dem freudigen Rufe auf frohes Wiedersehen beim ersten Verbandstag, Oktoberfestsonntag in München.



Martin Auer      Josef Herrmann
Schriftführer     1. Vorsitzender

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